HomeTörnSaison 2027 › T2704

Newlyn – Kinsale

Zurück zur Übersicht

Von Cornwall über die Scilly-Inseln und den Bristol Channel nach Südirland — 350 Seemeilen in einem Revier, das wenig verzeiht.

Gleich hinter Newlyn kommt Land’s End, und vor der Landspitze liegt seit 2009 ein eigenes Verkehrstrennungsgebiet zwischen dem Longships-Leuchtturm und den Seven Stones — gequert wird rechtwinklig, und Verstösse werden hier tatsächlich verfolgt. Knapp dreissig Meilen weiter westlich liegen die Scilly-Inseln. 1707 liefen dort vier Schiffe der englischen Heimflotte auf die Klippen, weil an Bord niemand den Längengrad kannte; über tausend Menschen starben, und das Unglück gab der Suche nach der Längengradbestimmung den politischen Schub, aus dem 1714 der Longitude Act wurde.

Einen Hafen im üblichen Sinn gibt es auf Scilly nicht. Man ankert, und man verholt, sobald der Wind dreht — die Plätze sind jeweils nur aus einer Richtung geschützt, und zwischen den Inseln läuft der Strom hart. Auf Tresco legte Augustus Smith ab 1834 einen Garten um die Ruine einer Benediktinerpropstei an; weil die Inseln kaum Frost kennen, wachsen dort subtropische Pflanzen im Freien. In einem Winkel davon steht Valhalla, eine Sammlung von Galionsfiguren aus Schiffen, die hier zerschellt sind.

Nordwärts um Cornwall herum beginnt der anspruchsvolle Teil. Zwischen Land’s End und Padstow gibt es praktisch keinen Hafen, den man bei auflandigem Wind anlaufen könnte: St Ives und Newquay fallen trocken, und vor Padstow liegt der Doom Bar, eine Sandbank, die ihren Namen verdient hat. Diese Küste ist bei Weststurm Legerwall ohne Ausweg — hier segelt man nach dem Wetterbericht und nicht nach dem Kalender. Über St Ives Bay steht Godrevy Lighthouse, den Virginia Woolf aus ihren Kindersommern kannte und der als Vorbild ihres Romans gilt.

Der Bristol Channel verengt sich nach Osten zu einem Trichter, und darin schaukelt sich die Tide auf vierzehn Meter auf — nach der Bay of Fundy der zweitgrösste Tidenhub der Welt. Entsprechend läuft der Strom. In der Mündung liegt Lundy, ein Granitriegel von fünf Kilometern Länge und seit 1986 das erste Meeresschutzgebiet Grossbritanniens. Der Ankerplatz in der Landing Bay auf der Ostseite hält, solange der Wind aus Westen steht; dreht er, muss man weg.

Von dort hinaus über die Keltische See. Sie liegt zum grössten Teil auf dem Schelf in fünfzig bis zweihundert Metern Wassertiefe; an dessen Kante fällt der Grund auf über zweitausend Meter ab, und genau dort baut sich die Atlantikdünung auf. An der irischen Südostküste steht auf Hook Head einer der ältesten noch arbeitenden Leuchttürme der Welt — der Turm stammt aus der Zeit um 1200, davor hielten Mönche auf der Landzunge ein Feuer.

Kinsale liegt in der Mündung des River Bandon, fast rundum geschlossen. 1601 landete hier eine spanische Flotte mit 28 Schiffen; die Schlacht, die folgte, gilt als Wendepunkt zum Ende der gälischen Ordnung Irlands. Charles Fort bewacht die Einfahrt seit 1677. Elf Meilen vor dem Old Head of Kinsale wurde 1915 die Lusitania torpediert — die Überlebenden und die Toten brachte man in diesen Ort, drei von ihnen liegen mitten im Zentrum begraben. Heute ist die Kleinstadt vor allem für ihre Küche bekannt.

Anreise

Newlyn liegt in Mount’s Bay am westlichen Ende Cornwalls, zwanzig Gehminuten von Penzance der Uferstrasse entlang. Mit der Bahn nimmst du den Eurostar nach London St Pancras und ab Paddington die Great Western Railway bis Penzance — gut fünf Stunden quer durch England, und der Bahnhof ist die Endstation der Strecke. Wer die Nacht nutzen will, bucht den Schlafwagen Night Riviera ab Paddington. Wer fliegt, landet in London und steigt auf den Zug um; der nächstgelegene Flughafen ist Newquay, von dort sind es noch anderthalb Stunden nach Süden.

Für die Einreise brauchst du einen gültigen Pass und die elektronische Einreisebewilligung ETA, die du vorab online beantragst.

Tipp für den Tag davor: Am Südpier steht ein unscheinbares Häuschen, das Tidal Observatory. Zwischen 1915 und 1921 wurde dort der mittlere Meeresspiegel gemessen, und seither rechnet jede Höhenangabe auf einer britischen Karte von diesem Punkt aus. Danach hinüber nach Penzance ins Penlee House: Es zeigt die Newlyn School, jene Maler, die ab 1880 des Lichts und der Fischer wegen hierherzogen. Wer früh aufsteht, steht um sechs am Fischmarkt, wenn der Nachtfang verkauft wird.

Rückreise

Kinsale liegt an der irischen Südküste, eine gute halbe Stunde südlich von Cork. Nach Cork fliegst du über London, Amsterdam oder Dublin; vom Flughafen fährt der Bus der Linie 226 weiter nach Kinsale. Wer über Dublin kommt, kann auch den Zug nach Cork nehmen und dort umsteigen. Irland gehört nicht zum Schengenraum, aber Schweizerinnen und Schweizer reisen mit Identitätskarte oder Pass ohne Visum ein.

Tipp für den Tag danach: Charles Fort bewacht seit dem 17. Jahrhundert die Hafeneinfahrt, sternförmig und begehbar; der Weg dorthin führt am Wasser entlang. Danach hinaus zum Old Head of Kinsale — vor dieser Landzunge wurde 1915 die «Lusitania» torpediert. Kinsale gilt ausserdem als Feinschmeckerhauptstadt Irlands; reservieren lohnt sich.

Preis

Pro PersonCHF 1'200.–
Nicht inbegriffen
  • An- und Rückreise
  • Transfer
  • Bordkasse, ca. 150–250 Fr. pro Woche
  • Persönliche Ausgaben
Hochseeskipper

Theo Müller

Theo Müller. Das Segeln ist seit vielen Jahren Theos Passion. Schon als Kind war er von Wind und Wasser fasziniert, beide Elemente spielen in seinem Leben seither eine grosse Rolle. Sein Revier als Hochseeskipper erstreckt sich heute vom Solent, wo Theo Starkwind segelt und Skipperkurse anbietet, über die Ostsee bis ins französische, kroatische und griechische Mittelmeer. Vor einiger Zeit hat sich Theo dann in die «SY Passage» verliebt und freut sich nun, als Jungrentner zu Till Linckes Ehren dieses einzigartige Schiff führen zu dürfen. Theo lebt mit seiner Frau in der Region Thunersee.

Zum Skipper-Portrait

Hast du Fragen?
Gerne geben wir dir hier Auskunft:

segeln@mareincognita.ch
044 586 65 65